Die erste Niederlage der Wehrmacht: Die Schlacht um Moskau im Winter 1941

Im Sommer 1941 hatte die Rote Armee größere Verluste erlitten, als je eine Armee hatte ertragen müssen. Wider Erwarten der deutschen Führung, war der Feldzug damit aber nicht beendet. Auf Empfehlung seiner Generale beschloss Hitler darauf, den Krieg bis Jahresende durch die Besetzung Moskaus endgültig zu entscheiden.

Auch auf sowjetischer Seite wurde der Erfolg der deutschen Offensive nicht ausgeschlossen und Teile des Regierungsapparats, ausländische Vertretungen, ganze Rüstungsbetriebe und viele Menschen wurden nach Osten evakuiert. Auch für Stalin stand schon ein Sonderzug bereit.
Doch nach Beratung mit General Schukow entschied sich Stalin, die Stellung zu halten und die Kräfte für eine Gegenoffensive zu sammeln. An anderer Stelle hatte die Wehrmacht bereits die Wolga überschritten. Aber die deutschen Kräfte waren erschöpft, die Verbände ausgedünnt, die Front überdehnt.
Die deutsche Führung war bei ihrer Planung von einem Blitzkrieg von höchstens wenigen Monaten ausgegangen. Die Zuführung von größeren Verstärkungen war nicht vorgesehen. Aus demselben Grund fehlte Winterkleidung. Dabei war der Winter 1941 selbst für das russische Klima ungewöhnlich kalt. In der Illusion, dass auch die Sowjets mit den letzten Bataillonen kämpfen, griffen die Deutschen, anstatt sich Gedanken um Winterquartiere in günstig zu verteidigende Stellungen zu machen, weiter an. Anfang Dezember kam die Wehrmacht bis auf 20 km an den Moskauer Stadtkern heran.
Doch am 5. Dezember begann die sowjetische Gegenoffensive. Die Deutschen waren völlig überrascht, da sie glaubten, dass die Rote Armee ebenso erschöpft war wie sie. Einheiten wurden überrannt, Generäle erlitten Nervenzusammenbrüche, die Front geriet auf ganzer Länge in Bewegung und nur mit Mühe konnte ein Zusammenbruch der Ostfront verhindert werden. Dies war die erste große Niederlage des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg.
Üblicherweise wird die Wende durch den ungewöhnlich harten Winter – auf den die Deutschen nicht vorbereitet waren – und die Ankunft sibirischer Truppen erklärt. Diese konnten aus dem Fernen Osten abgezogen werden, weil der Spion Richard Sorge gemeldet hat, dass sich nicht am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligen würde.
Tatsächlich war aber entscheidend, dass das Sowjetsystem viel stabiler war, als die deutsche Führung es erwartet hatte und die Gesellschaft und Wirtschaft von Beginn an für den totalen Krieg mobilisiert werden konnten. Dabei hatte das Regime gut daran getan, nicht an das Klassenbewusstsein, sondern an die patriotischen Gefühle der Massen zu appellieren.