10 Dinge, die man über den „Großen Vaterländischen Krieg“ wissen muss

Man kann das heutige Russland und die Russen nicht verstehen, ohne ein Grundverständnis von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg zu haben. Außerdem wird in Russland zumindest grundlegendes Wissen über den Krieg als Teil der Allgemeinbildung vorausgesetzt. Hier sind die zehn wichtigsten Fakten.

1. Der „Große Vaterländische Krieg“
In Russland spricht man bis heute meistens statt vom „Zweiten Weltkrieg“ vom „Großen Vaterländischen Krieg“. Dieser umfasst nur den deutsch-sowjetischen Krieg von 1941 bis 1945. Vom Zweiten Weltkrieg spricht man jedoch, wenn man die Jahre 1939 bis 1941 und den Krieg im Westen und im Pazifik einschließen will.

2. Blutige Bilanz
27 Millionen Tote Sowjetbürger und 9 Millionen gefallene Soldaten – mit diesen Zahlen versucht man das Leid zu quantifizieren, die der Krieg über die Sowjetunion gebracht hat. Ganze Landstriche wurden entvölkert und kaum eine Familie in Russland hatte keine Kriegstoten zu beklagen.

3. Der Überfall – das Unternehmen „Barbarossa“
Der deutsche Überfall am 22. Juni 1941 traf die Rote Armee unvorbereitet. Die sowjetischen Verbände waren nicht in Alarmbereitschaft, große Teile der sowjetischen Luftstreitkräfte wurden am Boden zerstört. In Kesselschlachten bei Białystok, Minsk, Kiew und Wjasma gingen Millionen Soldaten und riesige Mengen an Kriegsmaterial verloren. Von den über drei Millionen Kriegsgefangenen der ersten Kriegsphase kam über eine Million in Gefangenschaft um.

4. Halt bei Moskau
Die Schlacht um Moskau im Winter 1941/42 war die erste bedeutende Niederlage des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg. Nachdem sie im Dezember 1941 bis auf 20 km an den Stadtkern Moskaus herangerückt war, wurde die Wehrmacht in einer sowjetischen Winteroffensive so weit zurückgeworfen, dass nie wieder eine unmittelbare Bedrohung für die sowjetische Hauptstadt.

5. Die Belagerung Leningrads
Die Belagerung Leningrads begann im Herbst 1941 und dauerte 900 Tage. Durch Entbehrungen und Bombardierungen kam eine Million Zivilisten ums Leben. Da die Stadt jedoch nicht erobert werden konnte, ist sie zugleich Symbol der Widerstandskraft der sowjetischen Bevölkerung.

6. Kommissare, Strafbataillone und Sperrabteilungen
In den Verbänden der Roten Armee überwachten politische Kommissare die Arbeit der Kommandeure und waren für die politische Gesinnung der Soldaten zuständig. Hinter der Front aufgestellte Sperrabteilungen sollten mit vorgehaltener Waffe, Soldaten an der Flucht hindern. Disziplinarverstöße wurden mit Exekution oder der Versetzung in Strafkompanien und Strafbataillone bestraft.

7. Wende bei Stalingrad
Die Schlacht von Stalingrad 1942/43 gilt als eine der am erbittertsten geführten Schlachten des Zweiten Weltkrieges. Sie endete mit der Einkesselung und Vernichtung der deutschen 6. Armee mit ca. 200‘000 Mann. Dies war ein psychologischer Wendepunkt. Zugleich hatte das Deutsche Reich seine Ressourcen soweit erschöpft, dass ein neuer Feldzug dieser Größenordnung nicht mehr möglich war. Fortan war Deutschland permanent in der Defensive.

8. Die Siegeswaffe: T-34
Der Panzer vom Typ T-34 ist die berühmteste Waffe der Roten Armee und versinnbildlicht diese auf zahlreichen Denkmälern. Für seine Zeit hatte er ein fortschrittliches Design, eine große Feuerkraft und eine dicke Panzerung. Außerdem wurde er in Massen produziert: 50‘000 Exemplare von 1941 bis 1945.

9. Der Partisanenkrieg
Auf von der Wehrmacht besetztem Gebiet, tobte der Partisanenkrieg. Angriffe auf Vertreter des Besatzungsregimes, Nachschublager, Eisenbahnlinien und kleinere Wehrmachtkontingente waren an der Tagesordnung. Von deutscher Seite wurde der Kampf gegen Partisanen wiederum als Vorwand für Massenmord und Deportationen.

10. Die Fahne auf dem Reichstag
Das Hissen der roten Fahne auf dem Reichstagsgebäude ist der Akt, der am ehesten mit dem Sieg über Hitlerdeutschland verbunden wird. Dies geschah in der Nacht zum 1. Mai 1945. Die authentische Fahne hängt im Museum der russischen Streitkräfte in Moskau.
Einen Tag später wurde für die Presseagentur TASS ein Foto mit anderen Soldaten und einer anderen Fahne auf dem Reichstag gemacht. Dieses vor dem Panorama der zerstörten Reichshauptstadt entstandene Foto wurde zu einer Ikone des Zweiten Weltkriegs.